Endlich Ferien

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Ludwigshafen, den 03.07.2020

Liebe Eltern,

es ist geschafft!

Was wir in den vergangenen Wochen sooft herbeigesehnt haben, ist nun endlich da: die Sommerferien.

Endlich Freizeit, ohne zu befürchten, dass noch eine Mail von Lehrern kommt, die ein Aufgabenpensum für die nächste Woche enthält oder eine Mail vom Schulleiter, der versucht, die Laune allenthalben zu wahren, oder die neuesten Vorgaben des Ministeriums erklärt.

Einfach frei. Freizeit. Keine Verpflichtungen, Abgabetermine, Präsenztage, Nachholklausuren. Einfach NICHTS. Herrlich!

Was haben wir für irre Wochen hinter uns! Als am 13. März die Schule endete, so ganz ohne Vorlauf und Vorankündigung, hatten wir geglaubt - oder auch ganz einfach nur gehofft - dass der Spuk nach den Osterferien wieder vorbei sein würde. Aber bald war klar, dass der Spuk kein Spuk, sondern eine reelle und sehr präsente Gefahr ist, die uns die nächsten Wochen und Monate begleiten würde.

 

Wir haben dann recht schnell das Lernen auf Distanz kennengelernt. Es war ein Ersatz, nicht weniger, aber auf keinen Fall mehr. Lernen auf Distanz hat die Moral aufrecht gehalten, wenn auch nicht in allen Fällen. Es war eine willkommene Abwechslung, wenngleich viele darauf gerne verzichtet hätten.

Wie groß war die Erleichterung, als endlich wieder Schülerinnen und Schüler in die Schule kamen. Dennoch waren wir in den letzten Wochen von Normalität noch weit entfernt. Einbahnstraßenregelung, Mundschutzpflicht im Gebäude, hygienische Reinigung der Klassenräume, Tische etc. und Klassen mit halber Belegschaft wohin das Auge blickt.

Ich möchte heute zugeben, dass wir uns die Rückkehr in die Schule einfacher vorgestellt hatten und unsere Emphase ist an so mancher Stelle durch die Realität gedämpft worden.

Wir Lehrerinnen und Lehrer haben sehr, sehr schnell gemerkt, wie sehr uns die Schüler fehlen. Leere Schulgebäude oder nur spärlich gefüllte sind vermeintlich attraktiv, endlich mal kleine Klassen. Wir haben aber letztlich erkannt, dass wir uns so richtig wohl nur fühlen, wenn der Laden brummt! Das hat er in den vergangenen Wochen nicht. Schule ist doch immer Nähe, sozialer Kontakt und meinetwegen auch Räume mit verbrauchter Luft vom vielen Denken oder auch nur von der "Pubertätsheizung". Erst wenn es nicht mehr da ist, merkt man, wie sehr es fehlt.

 

Wie geht es nun nach den Sommerferien weiter?

Vereinfacht und zusammengefasst kann ich Ihnen sagen: zunächst normal.

In den Ferien werden sich die Schulen auf drei Szenarien vorbereiten: weitgehenden Regelunterricht, auf den Wechsel zwischen Präsenz- und Fernunterricht, wie er derzeit praktiziert wird und auf zeitweise Schulschließungen, wenn die Gesundheitsämter dies nötig halten.

Hierin wird unsere Arbeit für die Sommerferien bestehen: diese Voraussetzungen zu eruieren un​d zu schaffen. Darüber hinaus arbeiten wir an verschiedenen Konzepten zu digitalem Unterricht und zu Feedbackrichtlinien für den Fall eines erneuten Lockdown oder einer kurzfristigen Schulschließung bzw. Anordnung von Quarantäne.

Bereits vor den Sommerferien sind wir mit einer Bestandsaufnahme gestartet. Wir ermitteln den Leistungsstand der Schüler, forschen nach Lücken und ziehen Bilanz, was im vergangenen Halbjahr auf der Strecke geblieben ist, um es gemeinsam anzupacken und den Weg zurück in eine verantwortungsvolle Normalität zu gehen.

Details können Sie den Anlagen entnehmen:

​Trotz dieses Angebotes für die Jahrgangsstufen 5-8, erlauben Sie mir einen Wunsch, ein Anliegen, das ich für wirklich essentiell halte: Ferien sollen auch Ferien sein, Zeit zur Erholung.

Es gibt immer ganz viele Lücken aufzuarbeiten, man kann so viel Versäumtes nachholen und die Ferienzeit so sinnvoll nutzen. Aber das birgt die Gefahr, dass man erschöpft aus den Ferien kommt und antriebslos in das neue Schuljahr startet. Aus Elternsicht gibt es für die Schüler immer ganz viel zu tun (aus Lehrersicht übrigens auch...), Ihre Söhne und Töchter empfinden aber anders. Sie sind abgearbeitet, erschöpft, einfach durch. Vermutlich nicht so sehr vom Arbeiten, aber von der individuellen Bewältigung der Krise. Ich merke das an meinen eigenen Kindern ganz deutlich. Viele sind mit der Krise überfordert gewesen, von den Füßen gerissen und in ihren Grundfesten erschüttert. Wir haben von ihnen Disziplin erwartet beim Distanzlernen, beim Abstandhalten, beim zuhause bleiben, beim verantwortungsvollen Umgang mit der Krise, es bleiben letztlich aber Kinder, die sich die Unbeschwertheit leisten dürfen müssen. Genau aus diesem Grund brauchen sie die Zeit der Regeneration, damit sie am 17. August mit neuem Schwung und neugewonnener Motivation in das Schuljahr 2020/2021 starten können.

Ich bedanke mich auch im Namen des gesamten Kollegiums und des Sekretariats von Herzen bei Ihnen für Ihre Unterstützung, Ihre mutmachenden Mails, Ihr konstruktives Mitdenken, Ihren engagierten Einsatz und vor allem für die vielen Fäuste, die Sie fraglos in der Tasche haben machen müssen. Sie haben uns damit die bestmögliche Flexibilität bei unserer Arbeit ermöglicht.

Ich bin sicher, liebe Eltern, Sie sehnen auch eine Zeit ohne Distanzlernen, home schooling, Präsenzunterricht und Abstandsregelung herbei. Ob Sie nun in den Urlaub fahren oder nicht, es werden ganz neue Freiheiten auf alle Beteiligten zukommen, wenn dem Nachwuchs nicht regelmäßig erklärt werden muss, dass Arbeitsaufträge wichtig für die Zukunft sind.

Für Ihre Ferien wünsche ich Ihnen Erholung, Entspannung, interessante Eindrücke, abenteuerliche Erkundungen, kreative Ideen und das richtige Maß an Stillstand.

Wir freuen uns darauf, Sie alle bald wieder zu sehen!​

 

Herzliche Grüße

 

Andreas Klaes, Schulleiter

Wilhelm-von-Humboldt-Gymnasium, Ludwigshafen am Rhein

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